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Vom Essen

Friday, August 18th, 2006

Japaner haben offenbar alle eine Obsession gemein: das Essen. Wann immer nur moeglich, beschaeftigen sie sich mit diesem Thema. Wo ich mich auch hinbewege, werde ich unentwegt nach meinen Essgewohnheiten befragt. Das Fernsehprogramm ist, welchen Sender man auch waehlt, rund um die Uhr gefuellt mit Sendungen ueber das Kochen, das Einkaufen von Lebensmitteln und Esswettbewerben aller erdenklicher Art. Wenn ich gefragt werde, wohin ich schon ueberall gereist sei, erkundigt sich mein Gegenueber nicht nach den Sehenswuerdigkeiten, er moechte vor allen Dingen wissen, was ich am jeweiligen Reiseziel denn gegessen habe. Waehrend einer nur etwa zweistuendigen Autofahrt wird sicherlich mindestens einmal angehalten, um eine vollwertige Mahlzeit zu sich zu nehmen, es folgen mehrere Zwischenstops zwecks Erwerbs von Knabbereien und Getraenken. Eine Bekannte hat mit ihrer Familie sogar einmal eine Fahrt ueber 400 km (hin und zurueck wohlgemerkt!) auf sich genommen, nur, um ein paar Pfirsiche einer bestimmten Region zu kaufen. Was bei uns fuer Stirnrunzeln oder zumindest Verwunderung sorgt, ist in Japan keineswegs ungewoehnlich.

Wer seinem Gespraechspartner eine besonders grosse Freude bereiten moechte, der sollte in jedem Fall aeussern, dass er bespielsweise Nattou, fermentierte, Schleimfaeden ziehende Bohnen (hier ein Bild), nicht mag. Darueber freuen sich die Japaner wie Kinder. Ich glaube, ich habe schon fuer groessere Enttaeuschung gesorgt, als ich widerstandslos die fuer meinen Wohnort beruehmte Kammmuschel roh verzehrt und den koestlichen Fisch gelobt habe. Das hatte zur Folge, dass immer mehr sonderbare Lebensmittel aufgetischt wurden; jeder meiner Bissen wurde beobachtet. Alles war durchaus essbar, wenn einiges auch einfach ungewoehnlich schmeckte, so z. B. Konnyaku, eine aus Aronstabknollen gewonnene, gelatineartige Masse (wikipedia sei Dank an dieser Stelle).

Zu Beginn der Woche wurde in der Tageszeitung der Praefektur ein Artikel ueber mich veroeffentlicht, natuerlich nicht ohne den Zusatz, dass ich noch nie Nattou gegessen habe, es aber gerne einmal probieren moechte. Ob ueber das Ergebnis dann auch in der Zeitung berichtet wird?