Archive for the 'Spass' Category

Jan-Ken-Pon

Wednesday, October 4th, 2006

Wo wir schon beim Spielen sind: Die Japaner lieben Jan-Ken-Pon – die Japanische Version unseres Schnick-Schnack-Schnucks oder Stein-Schere-Papier-Knobelspiels. Streiten sich beispielshalber zwei Kinder in der Schule um einen besonders beliebten Sitzplatz, wird ganz einfach per Jan-Ken-Pon entschieden, wer diesen einnehmen darf. Bei einem unentschiedenen Ballspiel oder anderen unklaren Verhaeltnissen wird auch schon einmal ein Gruppen-Jan-Ken-Pon gestartet. Nicht nur Kinder faellen mit Hilfe dieses Spiels Entscheidungen: So habe ich auf einer Dienstfahrt mit einer Kollegin und unserer Chefin auf der Strasse Schnick-Schnack-Schnuck gespielt, weil wir uns nicht auf ein Lokal fuer unsere Mittagspause einigen konnten. Zu dumm, dass man Jan-Ken-Pon nicht wirklich ueben kann; ich moechte nicht unbedingt noch einmal Rinderknie mit fast noch rohem Ei essen.

Ich will doch nur spielen

Thursday, September 21st, 2006

In Japan verwendet man fuer viele Situationen bestimmte Ausdruecke, die sich nur schwer uebersetzen lassen und die sich eher schlecht in den Deutschen Sprachgebrauch uebernehmen liessen. So sagt man, wenn man ein Buero oder aehnliches betritt, nicht wie in Deutschland “Guten Tag” sondern “shitsureishimasu”, was soviel bedeutet wie “Ich bereite Ihnen Unbehagen” oder ganz einfach “Verzeihen Sie bitte”; letzteres allerdings nur in dem oben genannten Zusammenhang. Verlaesst man den Raum wieder, verwendet man die Vergangenheitsform der Phrase.

Begibt man sich nach Feierabend auf den Heimweg, sagt man nicht “Auf Wiedersehen” oder “Bis Morgen” sondern bedankt sich in erster Linie fuer die getane Arbeit der Kollegen. Verlaesst man als erster das Buero, entschuldigt man sich fuer diese Unverschaemtheit mit den Worten “osaki ni shitsureishimasu”, in etwa “Verzeihen Sie bitte, dass ich vor Ihnen gehe”. Die Japaner sind so hoeflich, dass es manchmal sogar unfreundlich ist, sich zu bedanken. Wird mir beispielsweise die Tuer aufgehalten oder ein Tee eingeschenkt, waere es relativ frech “arigatou”, also “Danke” zu sagen; anstatt dessen bedankt man sich mit “sumimasen”, also “Entschuldigung”. “Arigatou” impliziert in solchen Situationen, dass der Beguenstigte die Geste einfordert oder verdient hat und ist daher zu vermeiden.

Mein Lieblingsausdruck ist “asobu”. Dieses Wort, das sich ganz banal mit “spielen” uebersetzen laesst, impliziert so viel mehr als der Deutsche Ausdruck erahnen laesst. So gehen Japaner am Wochenende nicht tanzen, zum Karaoke oder in eine Bar: Japaner gehen spielen, egal wie alt sie auch sein moegen. Wenn man in Japan ein ganzes Wochenende lang gespielt hat, ist man nicht gleich spielsuechtig, sondern hat sich mit Freunden – wo auch immer – vermutlich praechtig amuesiert. Allein bei dem Gedanken, dass man in Japan bis spaet ins Erwachsenenalter hinein mit seinen Freunden spielen gehen kann, wird mir warm ums Herz.

Warum die Japaner ganz klar mehr Spass haben

Tuesday, August 22nd, 2006

Heute habe ich endlich ein Konto bei einer Japanischen Bank eroeffnet und bin nun fuer alle Unternehmungen gewappnet. In Japan zieht man sich keine Kontoauszuege wie in Deutschland, jeder Kunde, bei egal welcher Bank, bekommt ein kleines Buechlein, das er bei allen moeglichen Transaktionen in den Automaten einfuehrt und in welches die Bewegungen auf dem Konto gedruckt werden. Was nun wirklich praktisch ist, sieht auch noch toll aus! Meine Bank verwendet die Peanuts als Maskottchen, die sich dementsprechend auf saemtlichen Unterlagen, und somit auch auf meinem Sparbuechlein, wiederfinden. Da macht es doch gleich viel mehr Spass, zur Bank zu gehen.

Aehnliches laesst sich ueber meinen Stempel berichten. Jeder Japaner besitzt einen Stempel, den er fuer die Unterzeichnung jedweder Dokumente benoetigt; ohne einen solchen Stempel, aehnlich unserer Unterschrift, kann man in Japan so gut wie nichts erledigen. Mein Stempel ist ein huebsches Stueck Plastik in Mauve mit Bluemchen und wird in einem eigens dafuer vorgesehenen violetten Kaestchen mit intergriertem Mini-Stempelkissen aufbewahrt. Den Stempel hat meine Vorgesetzte bereits vor meiner Ankunft fuer mich anfertigen lassen – und zwar mit meinem Vornamen darauf… Es sollte einmal jemand in Deutschland versuchen, einen Telefonanschluss zu beantragen und mit seinem Vornamen zu unterzeichnen. Vermutlich hat sie es am bequemsten gefunden, einfach meinen Vornamen einarbeiten zu lassen. Ein ehemaliger Mitarbeiter aus Australien, der mit Nachnamen Barker hiess, erhielt zunaechst einen Stempel mit eben diesem Namen, der nur leider in Japanischer Umschrift dem Japanischen Ausdruck baka (Dummkopf oder Idiot) sehr nahe kommt, was bei den Japanern permanent fuer Erheiterung sorgte und woraufhin der Australier letzten Endes einen Stempel mit seinem Vornamen fabrizieren liess.

Ich weiss schon, weshalb ich keine Kosenamen mag: mein abgekuerzter Vorname bedeutet im Japanischen soviel wie Schlamm.