Archive for August, 2006

Deutschlands Erbsuende

Monday, August 28th, 2006

Wer oft Kontakt zu Menschen aus aller Welt hat, wird schon haeufig auf das eine oder andere Klischee, das Deutschland anhaengt, gestossen sein. So war mir nicht neu, dass viele Erdenbuerger den Deutschen fuer ein Bier trinkendes und Wurst sowie Sauerkraut essendes Wesen halten, das ueberaus puentklich, arbeitsam und stets korrekt ist. Das alles vorzugsweise noch in Lederhosen.

Ein anderes Geruecht ueber die Deutschen, welches vornehmlich in den U.S.A. und in Kanada herrscht, war dagegen vollkommen neu fuer mich. Die Deutschen sind in Uebersee bekannt dafuer, dass sie David Hasselhoff zum persoenlichen Sexsymbol erkoren haben. Ich habe Traenen gelacht, als ich darauf angesprochen worden bin und war mir nicht einmal sicher, ob ich diesem Geruecht entgegenwirken sollte. Ausgeloest hat dieses Geruecht allem Anschein nach der in der NBA spielende Deutsche Dirk Nowitzki, der waehrend eines Interviews seine Vorliebe fuer “Knight Rider” geaeussert haben soll, woraufhin beim naechsten Basketballspiel seine Amerikanischen Fans Banner mit “David Hasselhoff” oder “I’ve been looking for freedom” fuer Dirk Nowitzki gebastelt und sogar einige der intelligenten Songs gesungen haben sollen, die Hasselhoff uns beschert hat. In einer Talentshow in den Staaten, in deren Jury David Hasselhoff sitzt, wurde ebenfalls ueber dessen Popularitaet in Deutschland berichtet, die Amerikaner finden das, auf gut Deutsch, saukomisch.

Sollen wir uns jetzt schaemen oder mitlachen?

 

Warum die Japaner ganz klar mehr Spass haben

Tuesday, August 22nd, 2006

Heute habe ich endlich ein Konto bei einer Japanischen Bank eroeffnet und bin nun fuer alle Unternehmungen gewappnet. In Japan zieht man sich keine Kontoauszuege wie in Deutschland, jeder Kunde, bei egal welcher Bank, bekommt ein kleines Buechlein, das er bei allen moeglichen Transaktionen in den Automaten einfuehrt und in welches die Bewegungen auf dem Konto gedruckt werden. Was nun wirklich praktisch ist, sieht auch noch toll aus! Meine Bank verwendet die Peanuts als Maskottchen, die sich dementsprechend auf saemtlichen Unterlagen, und somit auch auf meinem Sparbuechlein, wiederfinden. Da macht es doch gleich viel mehr Spass, zur Bank zu gehen.

Aehnliches laesst sich ueber meinen Stempel berichten. Jeder Japaner besitzt einen Stempel, den er fuer die Unterzeichnung jedweder Dokumente benoetigt; ohne einen solchen Stempel, aehnlich unserer Unterschrift, kann man in Japan so gut wie nichts erledigen. Mein Stempel ist ein huebsches Stueck Plastik in Mauve mit Bluemchen und wird in einem eigens dafuer vorgesehenen violetten Kaestchen mit intergriertem Mini-Stempelkissen aufbewahrt. Den Stempel hat meine Vorgesetzte bereits vor meiner Ankunft fuer mich anfertigen lassen – und zwar mit meinem Vornamen darauf… Es sollte einmal jemand in Deutschland versuchen, einen Telefonanschluss zu beantragen und mit seinem Vornamen zu unterzeichnen. Vermutlich hat sie es am bequemsten gefunden, einfach meinen Vornamen einarbeiten zu lassen. Ein ehemaliger Mitarbeiter aus Australien, der mit Nachnamen Barker hiess, erhielt zunaechst einen Stempel mit eben diesem Namen, der nur leider in Japanischer Umschrift dem Japanischen Ausdruck baka (Dummkopf oder Idiot) sehr nahe kommt, was bei den Japanern permanent fuer Erheiterung sorgte und woraufhin der Australier letzten Endes einen Stempel mit seinem Vornamen fabrizieren liess.

Ich weiss schon, weshalb ich keine Kosenamen mag: mein abgekuerzter Vorname bedeutet im Japanischen soviel wie Schlamm.

Von wilden Affen

Monday, August 21st, 2006

Vergangenes Wochenende habe ich einen Ausflug nach Shimokita-Gun, rund 200 km weiter noerdlich, gemacht, wo die am weitesten noerdlich lebenden wilden Affen der Welt Zuhause sind. So zumindest wurde es mir berichtet. Der erste Eindruck war ernuechternd: An einem Automaten mussten wir Eintrittskarten loesen, um dann ein kleines umzaeuntes Terrain begutachten zu duerfen, in dem ein paar Affen umherturnten und andere, zu meiner Beunruhigung, Steine zu kleinen Haufen auftuermten. Nach etwa dreissig Minuten hatten wir alle Affen bewundert und traten die Weiterreise nach Hotokegaura an (Fotos folgen). Als wir zu unserem Auto zurueckgingen, sprangen auf einmal zwei Affen von den Baeumen ausserhalb des Geheges und setzten sich auf die Seile, die das Gelaende umzaeunen. Ich musste unweigerlich an Zahnseide denken und war froh, dass ich mich nicht an den Seilen entlanggehangelt hatte.

Waehrend unserer Weiterfahrt nach Hotokegaura, wo es eine wunderschoene Steilkueste gibt (Fotos folgen), sassen die Affen schliesslich einfach auf der Strasse, turnten auf den Leitplanken und beobachteten uns. Mir erschliesst sich der Sinn des Geheges nicht so ganz, wenn die Affen auch in freier Wildbahn anzutreffen sind. Vielleicht ist das die einzige Moeglichkeit, sich den Affen gefahrlos zu naehern, von den Steinkollektionen einmal abgesehen, welche offenbar nicht allzu schuechtern sind und gelegentlich in die Haeuser der Anwohner eindringen, um dort den Kuehlschrank zu pluendern oder ein Bad zu nehmen – womoeglich noch vor dem Herrn des Hauses, der traditionell als Erster in das heisse Nass steigen darf. Im Laufe der letzten Jahre wurden in Aomori-ken tatsaechlich onsen (heisse Baeder) eigens fuer die Affen gebaut, da sie die Vorzuege des erquickenden Bads im Winter zu schaetzen gelernt haben. Entsprechend beliebt sind die zahlreichen Fotos, die man kaufen kann, auf denen eine ganze Affenfamilie mit einem Schneehaeufchen auf dem Kopf im dampfenden Bad hockt und sich entspannt.

 

noch so was

Friday, August 18th, 2006

Nicht zum ersten Mal wird ueber die eigenartige Art und Weise, wie Japaner das Englische einzusetzen vermoegen, berichtet. http://www.engrish.com/ ist eine gute Adresse fuer Menschen wie mich, die immer noch nicht genug bekommen haben. An dieser Stelle nun mein gestriges Highlight: Derzeit finden in meiner Region allerorts kleinere Feste statt, die Strassen sind geschmueckt. Als ich nun gestern an einem dieser Feste vorbeifuhr, fiel mein Bllick auf einen Essensstand, dessen Betreiber sowohl sich als auch das Essen mit einem Schirm gegen die Sonne zu schuetzen versuchte. Der Schirm, ein bunter Kinderschirm mit Bildern des knuffigen Disney-Baeren Winnie Pu darauf, trug ausserdem in grossen Lettern die Aufschrift: “JUST POOH”, was fuer Erheiterung meinerseits sorgte…man denke sich das H einfach weg. Ich bin nicht sicher, ob ich dort etwas gegessen haette.

Vom Essen

Friday, August 18th, 2006

Japaner haben offenbar alle eine Obsession gemein: das Essen. Wann immer nur moeglich, beschaeftigen sie sich mit diesem Thema. Wo ich mich auch hinbewege, werde ich unentwegt nach meinen Essgewohnheiten befragt. Das Fernsehprogramm ist, welchen Sender man auch waehlt, rund um die Uhr gefuellt mit Sendungen ueber das Kochen, das Einkaufen von Lebensmitteln und Esswettbewerben aller erdenklicher Art. Wenn ich gefragt werde, wohin ich schon ueberall gereist sei, erkundigt sich mein Gegenueber nicht nach den Sehenswuerdigkeiten, er moechte vor allen Dingen wissen, was ich am jeweiligen Reiseziel denn gegessen habe. Waehrend einer nur etwa zweistuendigen Autofahrt wird sicherlich mindestens einmal angehalten, um eine vollwertige Mahlzeit zu sich zu nehmen, es folgen mehrere Zwischenstops zwecks Erwerbs von Knabbereien und Getraenken. Eine Bekannte hat mit ihrer Familie sogar einmal eine Fahrt ueber 400 km (hin und zurueck wohlgemerkt!) auf sich genommen, nur, um ein paar Pfirsiche einer bestimmten Region zu kaufen. Was bei uns fuer Stirnrunzeln oder zumindest Verwunderung sorgt, ist in Japan keineswegs ungewoehnlich.

Wer seinem Gespraechspartner eine besonders grosse Freude bereiten moechte, der sollte in jedem Fall aeussern, dass er bespielsweise Nattou, fermentierte, Schleimfaeden ziehende Bohnen (hier ein Bild), nicht mag. Darueber freuen sich die Japaner wie Kinder. Ich glaube, ich habe schon fuer groessere Enttaeuschung gesorgt, als ich widerstandslos die fuer meinen Wohnort beruehmte Kammmuschel roh verzehrt und den koestlichen Fisch gelobt habe. Das hatte zur Folge, dass immer mehr sonderbare Lebensmittel aufgetischt wurden; jeder meiner Bissen wurde beobachtet. Alles war durchaus essbar, wenn einiges auch einfach ungewoehnlich schmeckte, so z. B. Konnyaku, eine aus Aronstabknollen gewonnene, gelatineartige Masse (wikipedia sei Dank an dieser Stelle).

Zu Beginn der Woche wurde in der Tageszeitung der Praefektur ein Artikel ueber mich veroeffentlicht, natuerlich nicht ohne den Zusatz, dass ich noch nie Nattou gegessen habe, es aber gerne einmal probieren moechte. Ob ueber das Ergebnis dann auch in der Zeitung berichtet wird?