Being gaijin
Zunächst zum Begriff. Gaijin ist die Abkürzung des Wortes gaikokujin, Mensch aus dem Ausland, das abgekürzt den pejorativen Ausdruck “Außermensch” ergibt.
In Japan gibt es zwei Arten von gaijins: die, die auffallen und die, die nicht auffallen. Mein Kollege Eric, ein Kanadier chinesischer Herkunft, fällt nicht auf. Ich dagegen falle alleine durch meine Haarfarbe und meine Größe aus dem japanischen Rahmen und somit sofort auf. Wir beide haben kürzlich während eines Gesprächs festgestellt, dass wir mit unserem jeweiligen Status eher weniger zufrieden sind. Wohin Eric auch geht, er wird für einen Japaner gehalten und entsprechend behandelt und angesprochen, was für ihn weniger lustig ist, da er des Japanischen lediglich in Ansätzen mächtig ist und folglich nur zeitverzögert oder gar nicht auf Fragen reagieren kann, was jedes Mal ungläubige oder gar mitleidige Blicke in den Gesichtern seiner japanischen Gegenüber hervorruft — er wird schlichtweg für geistesschwach oder debil erklärt und muss sich stets aufs Neue rechtfertigen.
Mein Alltag gestaltet sich anders; wohin ich auch gehe, werde ich angestarrt. Selbst im Supermarkt um die Ecke, in den ich bestimmt viermal die Woche gehe, bin ich nach wie vor neben den aktuellen Sonderangeboten die Attraktion im Laden. Immerhin wissen die Angestellten dort aber mittlerweile, dass ich Japanisch spreche, ganz im Gegensatz zu anderen Läden, Restaurants etc.. Dort wird mir, sofern es eine gibt, erst einmal die englische Speisekarte in die Hand gedrückt. Und wenn ich einen Passanten oder in einem Kombini nach dem Weg frage, zuckt der eine oder andere auch schon einmal zusammen, fuchtelt wild verneinend mit den Händen und nimmt Reißaus. Selbst wenn ich meine Frage durchaus verständlich und grammatikalisch einwandfrei auf Japanisch formuliert habe, fragt mein Gegenüber, während dessen Antwort, sicherlich zehn- bis zwanzigmal nach, ob ich die jeweiligen Vokabeln auch richtig verstanden habe.
Wenn ich joggen gehe, ist das nicht nur Training für meine Beine sondern ebenso für die Arme und besonders für die Gesichtsmuskulatur, da ich beim Laufen auch gleichzeitig lächeln und winken muss. Es ist auch schon vorgekommen, dass eine gesamte Schulklasse meine im Schneckentempo zurückgelegten Runden im Sportpark mit nicht enden wollenden La-Ola-Wellen gewürdigt hat. Soviel zum meditativen Aspekt des Laufsports.
Sind Eric und ich gemeinsam unterwegs, ergeben sich meist seltsame Gesprächsituation, bei denen ich niemals Blickkontakt mit meinem japanischen Gesprächspartner bekomme, da dieser auf meine Frage antwortend auf Eric einredet und ich wiederum an Stelle Erics auf das Gesagte reagiere. Und Eric steht oder sitzt mittendrin und blickt drein, wie ein Ochse, den man soeben auf ein Fahrrad gesetzt hat.
Insgesamt empfinden Eric und ich unser japanisches Landleben dann doch als eher anstrengend und reagieren entsprechend darauf: Eric hat sich einen Kanada-Aufnäher an seinen Rucksack geheftet und trägt nun auch öfter seine Kanada-T-Shirts. Ich verstecke mich derweil hinter Sonnenbrillen und diversen Kopfbedeckungen.
April 30th, 2007 at 7:15 am
Perfect match: The new campaign for Ray Ban; Never Hide. I just saw a few of the posters these days.